Wir haben die Nacht in einem Countypark in Louisiana verbracht und nützen die Serviceeinrichtungen des Parks zur Ver- und Entsorgung.
Während unser Grauwasser langsam im Loch versickert und das Frischwasser durch den Schlauch in den Tank gluckert, beäugt uns aus sicherer Entfernung neugierig ein Mann mittleren Alters. Immer engere Kreise zieht er um uns und unser Wohnmobil. Schließlich steht er direkt vor uns, deutet auf unser Wohnmobil und fragt:
„Was ist denn das für ein Ding? Hab ich hier noch nie gesehen!"
„Das ist ein europäisches Wohnmobil!"
„Europäisch???"
„Ja, wir haben es aus Germany mitgebracht!"
„Aus Germany???"
Jetzt sieht man förmlich, wie seine grauen Zellen auf Hochtouren arbeiten. Schließlich kommt die ungläubige Frage: „Seid Ihr etwa den ganzen Weg von Germany bis hierher gefahren???"


Stralsund: Wir bummeln mit unserer Groenendael-Hündin Eyleen am Hafen entlang, als uns ein etwa 10-jähriger Junge mit seiner Oma entgegenkommt.
Junge: „Oma, schau mal, das ist aber ein schöner Hund!“
Oma: „Ja, und so schön gekämmt!“
Junge: „Der hat bestimmt ein Rendezvous!“


Wir wollen unser Visum verlängern lassen. Der Officer von der Immigration in Los Angeles begutachtet unsere Pässe, sieht uns an und fragt dann:
„Okay, wer ist Peter, wer ist Hildegard?“

 


Kanada, ein Rastplatz am Sankt Lorenz Strom: Ein Ehepaar aus Quebec City spricht uns an. Im Laufe des Gesprächs erzählt Peter, dass er fürs Wohnmobil noch immer keinen Aufkleber mit dem Ahornblatt gefunden hat.
In Kanada bekommt Ihr das bestimmt!“, erklärt der Mann.
In Kanada?“
Ja, drüben in Alberta oder BC.“
Ach, und hier sind wir wohl nicht in Kanada?“
Nein, hier seid Ihr in Quebec!“


 Nordkalifornien: Wir sind auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz. Der Stellplatz, den man uns empfohlen hat, gefällt uns gar nicht. Ringsum rauchende Schlote, und das Publikum auf dem Platz ist uns auch nicht recht geheuer. Außerdem soll die Nacht 10 $ kosten, und wir sind ja eingefleischte Wildcamper. „Eigentlich suchen wir ja einen Platz, der gar nichts kostet“, erklären wir dem Camphost.
Der mustert uns und unser Small Motorhome, sieht den Stern auf der Motorhaube und meint kopfschüttelnd:
„Driving in a mercedes – and looking for free campgrounds!“, verrät uns aber dann doch, dass es 20 km weiter einen wunderbaren freien Platz direkt am Strand gäbe.

Neuseeländer sind gerne ein wenig zu flott im Auto unterwegs. An der Ortseinfahrt eines Kaffs auf der Südinsel entdeckten wir folgendes Warnschild:
Geh' vom Gas!
Hier gibt es:
Kein Krankenhaus!
Keinen Arzt!
Einen Friedhof!


Kanada - beim Klang dieses Namens denkt man automatisch an Berge, Seen, Wildnis - für weite Teile dieses riesigen Landes trifft das auch zu. Aber neben Alberta, British Columbia und dem Yukon gibt es auch Provinzen wie Saskatchewan oder Manitoba - klingt toll, ist aber bretteben, die Straßen sind schnurgerade. Böse Zungen behaupten, wer in Manitoba auf eine Apfelsinenkiste steigt, kann die ganze Provinz überblicken. In diesem brettebenen Manitoba treffen wir einen ausgewanderten Schweizer.
„Vermissen Sie in diesem flachen Land nicht Ihre Schweizer Berge?“, wollen wir wissen.
„Aber nein“, antwortet der Ex-Schweizer, „hier ist es okay! Da rollt dir wenigstens das Auto nicht davon!“


 

Himmel über Saskatchewan

... Bei Sonnenuntergang, wenn sich die Felsen im Licht der tief stehenden Sonne dunkelrot färben und lange Schatten werfen, bietet das Monument Valley ein phantastisches Schauspiel. Angeregt durch Poster, Plakate und den Fotos in den zahlreichen Reiseführern, will jeder der Dagewesenen zu Hause mit einem eigenen Superfoto glänzen. Zu Dutzenden bauen sie sich am Eingang des Tales auf. Praktisch veranlagte Naturen begnügen sich mit einem schnellen Klick der simplen Kleinbildkamera oder des Smartphones, deutsche Individualtouristen erkennt man zumeist daran, dass sie ein monströses Stativ aufbauen und ein nicht minder gewichtiges Teleobjektiv vor die Spiegelreflexkamera schrauben, während Busreisende bevorzugt die Videokamera surren lassen. Die drei Buttes im Sonnenuntergang sind neben dem Delicate Arch im Arches Nationalpark das Symbol des Südwestens schlechthin und nach dem Grand Canyon mit Sicherheit das meistfotografierte Motiv Amerikas. Japanische Bustouristen fehlen übrigens in dieser Fotografenriege gänzlich; für den kurzen Urlaub von Nippons Bürgern liegt das Monument Valley viel zu weit abseits der Rennstrecke. Zum Klicken und Surren der Auslöser hört man von sächsisch bis schwäbisch von bayrisch bis Platt fast nur deutsches Stimmengemurmel. Nur ganz vereinzelt verirrt sich auch mal ein Amerikaner in das allabendliche Szenario. So wie der junge Mann, der neben uns sein Stativ aufbaut. Angesichts der deutschen Übermacht muss er sich wohl fühlen wie ein Fremder im eigenen Land, und halb irritiert, halb amüsiert fragt er mich: „Sagt mal, gibt es bei euch zu Hause in Germany auch noch Deutsche oder sind die jetzt alle hier?"


San Francisco an einer Cable-Car-Station: Wir beratschlagen, mit welcher Linie wir am besten wann wohin und wieder zurückfahren wollen. Da spricht uns ein junger Mann an, der hinter uns steht. Er erklärt uns, mit welcher Nummer wir die beste Runde drehen können. Sein Deutsch ist absolut fehlerfrei. Er hat aber unüberhörbar einen sehr starken amerikanischen Akzent.

»Sie sprechen ja sehr gut Deutsch!«, lobt Peter. »Wo haben Sie das denn so gut gelernt?«

Der junge Mann zögert einen Moment und erklärt dann: »Ich bin aain Deutschär, ich bin nurr schon ätwas längärr hier!«

»Das ist ja toll! Wie lange denn schon?«

»Vieärr Wochän!«


Wenn Amerikaner reisen, muss das schnell gehen und effizient sein. Das liegt nicht nur am kurzen Urlaub der Amerikaner. Auch Pensionäre »machen« in knapp 8 Tagen Europa. In der Eile kann man dann natürlich schon mal was durcheinanderbringen. So wie der Rentner, der uns voll Stolz erklärte, dass er auf seiner letzten Reise auch in Germany gewesen wäre.
»Wie interessant. Wo genau waren Sie denn in Deutschland?«
»Wir waren in Salzburg!«
»In Salzburg???«
»Ach, Salzburg ist nicht Germany? Na, macht nichts. Irgendwann sagte jedenfalls der Reiseleiter: ›Ihr seid jetzt in Germany!‹«


August - die Lachse ziehen nach drei Jahren im Meer die Flüsse hinauf zum Platz ihrer Geburt, wo sie laichen und dann sterben. Neben Grizzly, Schwarzbär und Seeadler wollen sich auch Einheimische und Touristen ihren Anteil aus den Flüssen fischen, rücken mit professioneller Ausrüstung an oder holen den begehrten Salmon gleich per Fischrad aus seinem angestammten Element. Auch wir essen gerne Lachs, sind aber außerstande ihn zu fangen, zu töten, und was sonst noch alles dazugehört. Ich kaufe den begehrten King Salmon lieber als anonymes Filet im Supermarkt. Die Verkäuferin wickelt meinen Supermarktfang zuerst in Plastik und danach noch in Papier. Das Papier klebt sie mit einem großen Sticker zu. »Vor dem Kochen Verpackung entfernen!«, steht in roter Schrift auf dem Sticker. Nur gut, dass ich das noch rechtzeitig gelesen habe! Womöglich hätten wir sonst den Lachs samt Plastik und Papier gebraten und gefr...


Navistory

Unseres haben wir Susi getauft. Mitunter führen wir mit Susi auch tiefschürfende Gespräche wie etwa: »Mensch Susi, wo jagst du uns schon wieder lang, das kann doch nicht stimmen!«, oder »Susi, sei still, ich kenn mich hier besser aus, ich fahr geradeaus!« In Anbetracht der Tatsache, dass uns dieses Wunderwerk der Elektronik schon munter falsch in Einbahnstraßen, über unbefestigte Trampelpfade oder sonst wie hirnrissig durch die Lande jagen wollte, sind wir auch nie ohne Landkarte unterwegs. Aber immerhin - unsere Susi hat uns auch schon an Orte geführt, die wir so nie gesucht und natürlich auch nie gefunden hätten.

Wenn man in Griechenland unterwegs ist, nützt mitunter auch die Karte nicht viel, weil die griechische Beschilderung mit der Schönheit des Landes und seinen vielfältigen Sehenswürdigkeiten leider nicht mithalten kann. In lesbarer Schrift sind Abfahrten leider immer erst in allerletzter Sekunde angeschrieben. Und unsere Susi – bevorzugt nun mal Eselspfade und enge Gässchen und kennt sich oft noch weniger aus als wir.

Wir sind auf dem Weg nach Delphi. Susis überaus präzises Kommando lautet im Sekundentakt: „Biegen Sie rechts ab, biegen Sie links ab, fahren Sie gerade aus, bitte wenden …" Das lesbare Schild „Delphi" sehe ich erst, als wir an der Abfahrt vorbeigefahren sind.

Nehmen wir halt die nächste Ausfahrt, halten an einem weitläufigen Gelände. »Ein schöner Platz«, meint Peter. »Hier könnten wir eigentlich stehenbleiben.« Ja, wir sind nun mal begeisterte Wildcamper. Ich schnappe mir unseren Hund und erkunde das Gelände. Dampfschwaden steigen von Weitem auf und beim Näherkommen entdecke ich, dass dies hier ein wilder Campingplatz an einer heißen Quelle ist.


Erst nach und nach, als wir uns in der näheren Umgebung umgesehen haben, wird uns bewusst, an welch geschichtsträchtigen Ort es uns verschlagen hat. Daran konnte die viel geschmähte Susi uns Banausen unmöglich vorbeifahren lassen.

Wir sind an den Thermophylen, einer Engstelle zwischen dem Meer und dem Kallidromosgebirge. Heute durch Versandung zwar mehrere Kilometer breit, maß diese Engstelle in der Antike nur gut 15 Meter und war von strategischer Bedeutung. Im Jahr 480 vor unserer Zeitrechnung standen sich hier die Perser unter Xerxes I. und die zahlenmäßig weit unterlegenen Spartaner unter König Leonidas gegenüber. Zahlen und der genaue Hergang der Schlacht sind umstritten. Es gibt Historiker, die behaupten, Leonidas, der in dieser Schlacht fiel, hätte hier selbstlos die Kultur des Abendlandes gerettet, weil er die Perser so lange aufhielt, bis sich die Athener formieren konnten. (Aha, die Kultur des Abendlandes musste also damals schon gerettet werden ...) Die Griechen haben Leonidas mit einem gigantischen Denkmal gewürdigt, die Schlachtgräben und -hügel sind mit erklärenden Tafeln versehen. Das reizvolle, parkartige Gelände lässt vergessen, dass es hier einst blutig zuging.

Wie es der Name Thermopylen schon andeutet, gibt es hier auch eine heiße Quelle, die über einen künstlichen Wasserfall geleitet wird. Das Badehaus wurde zwar längst geschlossen, aber eine Wasserleitung und ein Entsorgungsschacht bieten alles, was das Herz des autark eingerichteten Wohnmobil-Wildcampers begehrt. Wer dann noch, wie wir, mit Hund unterwegs ist, freut sich auch über die vielen Wege zum Wandern und Spazierengehen.

Nach einigen Tagen relaxen im heißen, schwefel- und radonhaltige Wasser, haben wir schließlich auch ohne Susis Hilfe den Weg nach Delphi gefunden.


Die Quellen liegen östlich der Hauptstraße von Lamia nach Athen unmittelbar hinter einer Tankstelle und Raststätte. Sie sind frei zugänglich. Neben einem künstlich errichteten Wasserfall ergießt sich das warme Wasser in ein Flussbett, das unmittelbar neben diesem Wasserfall zum Baden aufgestaut wurde. Die eigentliche Quelle liegt ein Stück weiter hinten im Wald und hat mindestens 42 °

Die Koordinaten sind nur ungefähr, weil unser Navi nicht mit Koordinaten funktioniert.

Heißer Wasserfall:

38°47’36.05"N

22°31’42.05"E

Einfahrt an der Tankstelle:

38°47’45.76"N

22°31’41.88"E