Leseprobe aus: "Tausend Tage Wohnmobil - In drei Jahren durch Amerika, Australien und Neuseeland"

 

Tasmanien

Im eigenen Wohnmobil durch Tasmanien

Es gibt ja fast nichts, was richtige Wissenschaftler nicht des Erforschens wert fänden, aber so richtig interessant wird etwas erst, wenn es bereits ausgerottet, ausgestorben, oder zumindest vom Aussterben bedroht ist. Dankbare Studien­objekte sind auch bedrohte Naturvölker, weshalb sich Ethologen, Ethnologen und sonstige Gelehrte mit Vorliebe bei den letzten Yanomamis am Amazonas tummeln.
Seit
 die Aborigines nicht mehr zum Abschuss freigegeben sind und sich deshalb wieder vermehren, sind sie statt interessant eher lästig. In Tasmanien allerdings, wo man mit dem Ausrotten wesentlich gründlicher war, hat die letzte reinrassige tasmanische Aboriginalfrau bereits 1876 das Zeitliche gesegnet. Ihr Skelett gelangte daraufhin posthum zu allerhöchsten Ehren und wurde im Dienste der Wissenschaft genauestens gewogen, vermessen und studiert.
Ebenso erging es dem Tasmanischen Tiger, der eigentlich kein Tiger, sondern ein Beutelwolf ist, bzw. war. Seit das letzte Exemplar in den Dreißiger Jahren in einem Zoo in Hobart einging, ist diese Spezies vom schafereißenden Untier schon beinahe zum Wappentier aufgestiegen und ziert neuerdings sogar tasmanische Autonummern. Allerdings hofft die Wissenschaft, dass in der undurchdringlichen Wildnis Westtasmaniens noch einige Exemplare zu Studienzwecken überlebt haben könnten. Berichten zufolge soll nämlich immer wieder einmal ein Tasmanischer Tiger gesichtet worden sein.
Auch
 Peter mit seinem Faible für Rares und Seltenes ist ganz wild auf einen dieser falschen Tiger. Ihm reicht jedoch einer aus Blech, weshalb er gleich am Morgen nach unserer Ankunft im tasmanischen Devonport beim Service Tasmania aufkreuzt, wo Autos angemeldet, und die Schilder abgemeldeter Autos ab­gegeben werden müssen. Die Story vom Wohnmobil-Welt­reisenden, der solch seltene Licence Plates wie den Eisbären aus den kanadischen Northwest Territories sammelt, beeindruckt die Tassie-Beamten ungemein. Auch, dass er an den Nummernschildern der dicht besiedelten Staaten wie Victoria oder New South Wales nicht interessiert ist, schmeichelt den Bewohnern der kleinen Apfelinsel. Nur - sie dürfen die Schilder nicht einfach so herausrücken, das wäre illegal. Wenn Peter ein Paar mit den begehrten Tasmanischen Tigern haben möchte, bräuchte er eine offizielle Sammlerlizenz! Ein Paar? Wer redet denn von einem Paar? Peter will doch nur ein einziges, als Souvenir an das schöne Tasmanien! Ja wenn das so ist, ist die ganze Sache nur noch halb so illegal - und mit den besten Wünschen für das bevorstehende Weihnachtsfest greift die Beamtin hinter sich ins Regal und drückt Peter ein besonders gut erhaltenes Exemplar mit dem begehrten Tiger in die Hand. Die Tassies haben daraufhin vom ersten Tag an bei Peter einen dicken Stein im Brett.


Mit dem eigenen Wohnmobil nach Tasmanien