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Vorwort

Lieber Leser, das vorliegende Buch ist kein Reiseführer, sondern ein Reisebericht über eine 1-jährige Reise mit dem eigenen Wohnmobil durch Nordamerika. Als Leser wünschen Sie sich vermutlich möglichst viele Bilder zur Einstimmung auf zukünftige eigene Reisen, - die ein Buch aber leider unnötig verteuern. Unter http://www.wohnmobil-weltreise.de finden Sie Sie weitere Fotos chronologisch zum Reiseverlauf zusammengestellt.

Reise- und planungsrelevante Informationen, besonders die Infos über das Reisen mit Hund, habe ich größtenteils ans Ende des Buchs verbannt, um Leser, die sich nur gerne mal einen Fernwehschmöker reinziehen, nicht zu langweilen. Wer selbst eine Langzeitreise plant oder sogar seinen Vierbeiner mit nach Nordamerika nehmen möchte, findet alle notwendigen Infos übersichtlich geordnet im Teil »Reiseplanung«.

Vielleicht wird sich der eine oder andere Leser wundern, dass in diesem Buch sehr oft auf freie oder wilde Camping- und Übernachtungsplätze hingewiesen wird. Das hat einen leicht nachvollziehbaren Grund. Wollte man täglich RV-Parks, State Parks usw. zum Übernachten aufsuchen, würde sich das im Monat locker auf 500 bis 1000 $ summieren. Das ist ein Betrag, über den man sich während eines normalen Vier-Wochen-Urlaubs keine Gedanken macht, bei einer Reise von 12 Monaten oder länger, summiert sich der Posten »Campinggebühren« jedoch gewaltig. Viele Langzeitreisende leben jedoch buchstäblich vom »Eingemachten« und die Campingkosten sind im Grunde der einzige Posten, an dem man beim Reisen sparen kann. Aber auch die meisten Rentner und Pensionäre, die im Wohnmobil unterwegs sind, sind nicht gewillt, unnötig Geld fürs Campen auszugeben. Wer im autark ausgestatteten Mobil unterwegs ist und ein wenig die Augen offenhält, findet immer wieder schöne Plätze um kostenfrei oder preiswert zu campen oder zu übernachten.

Interessierte Leser, die eine ähnliche Reise planen, aber noch nie in Nordamerika waren, werden in diesem Reisebericht vermutlich die großen Highlights wie den Grand und Brice Canyon, den Yosemite Nationalpark usw. vermissen. Über diese ohne Zweifel großartigen, leider auch hoffnungslos überlaufenen Parks, gibt es ausreichend Informationen und Fotomaterial, um sie selbst in eine ähnliche längere Reise einzubauen. Wer vorher noch nie in den USA war, für den sind diese großen Parks natürlich ein Muss. Wir selbst haben Nordamerika bzw. die USA, vor dieser aktuell beschriebenen Jahresreise zweimal für je vier Wochen per Miet-Pkw/Motel und danach im Zuge unserer dreijährigen großen Reise mit dem eigenen Wohnmobil für knapp 1 ½ Jahre am Stück bereist. Siehe dazu: »Tausend Tage Wohnmobil - in drei Jahren durch Amerika, Australien und Neuseeland« (3. Auflage, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-86686-403-0).

Wir haben auf dieser Reise die einsamen Highways abseits der ausgetretenen Pfade schätzen und lieben gelernt und es ist die Weite und Vielfältigkeit der Landschaft, die uns immer wieder nach Nordamerika zieht. Wir lieben das Land und seine freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Amerikanische Politik? Reden wir lieber nicht drüber, und im Gespräch mit dem amerikanischen Campingnachbarn ist es ebenfalls empfehlenswert, das Thema auszuklammern.

Wer wie wir ein Land so ausgiebig bereist hat, der hat auch die berühmte rosarote Brille nicht mehr im Gepäck. Ist man abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs, sieht man nicht nur die touristische Schokoladenseite und es wäre heuchlerisch, die Schattenseiten in diesem Buch auszusparen oder etwa nur schwärmerische Töne anzuschlagen.

Ich habe mich bemüht, objektiv über diese Reise zu berichten - aber selbstverständlich kann ich nur über unsere eigenen Empfindungen schreiben und die Erlebnisse aus unserer persönlichen Sicht der Dinge schildern. Der Leser wird vermutlich sehr schnell merken, wo unsere persönlichen Vorlieben sind. Dass wir die Weite und Einsamkeit des hohen Nordens lieben und große Städte und Trubel nach Möglichkeit meiden. Ich gestehe, dass bei manchen Schilderungen mitunter die Pazifistin in mir die Oberhand gewinnt, oder auch die gerne mal lästernde Spötterin zum Vorschein kommt. Der Leser sei gewarnt und möge es mir nachsehen.

Und nun lade ich Sie ein, mit uns auf die Reise zu gehen!

Leseproben:

... Der Klondike Loop, auf den wir kurz nach Whitehorse abbiegen, ist einsamer und wilder, was uns noch besser gefällt, auch wenn entlang des Klondike Highways fast alle Wälder abgebrannt sind. Meist entstehen diese Brände durch Blitzschlag aber mitunter wird der Wald auch von unvorsichtigen Campern abgefackelt, denn sobald ein Ami oder Kanadier den Motor seines Campers abgestellt hat, wird ein Feuer angezündet. Dem Lagerfeuer am Klondike Highway fielen 1998 riesige Waldflächen zum Opfer. Es wütete den ganzen Sommer lang, schwelte während des Winters unter der Schneedecke weiter und musste im darauffolgenden Frühjahr aus- und umgegraben werden. Campingfeuer dauerhaft zu verbieten, funktioniert aber weder in Kanada noch in den USA und schließlich brauchen ja viele Pflanzen und Bäume die Hitze des Feuers, um ihre Samen freizugeben. Nach einem Waldbrand erobert als erste Pflanze rosa blühendes Fireweed (schmalblättriges Weidenröschen) zwischen den schwarz verkohlten Stämmen das frische Terrain. Am Klondike Highway sprießt natürlich längst wieder das frische Grün der Laub- und Nadelbäume in verschieden Entwicklungsstadien.

Straßenbau im Yukon, das bedeutet: kurze Sommer, Permafrost, abgelegene Routen mit zwar wenig Verkehr, die aber trotzdem befahrbar sein müssen - eine echte Herausforderung. Am Klondike Highway folgen langen Abschnitten mit staubigem Gravel und aufgebrochenem Teer kilometerlange, nicht minder staubige Abschnitte mit Straßenbauarbeiten. Bei diesem Straßenbau werden auf gewalzten Sand eine oder mehrere Schichten heißen Bitumens aufgebracht. Wie bei uns, wird auch im Yukon dabei eine Straßenseite gesperrt. Damit niemand aus Versehen im heißen Teer landet, wird der Verkehr von einem Pilotfahrzeug mit der Aufschrift »FOLLOW ME« geleitet.

Die Abenteurer auf dem Weg zu den Goldfeldern des Klondike hätten Waschbrettrillen und aufgebrochenen Asphalt vermutlich liebend gerne in Kauf genommen. Aber 1896 gab es im hohen Norden so gut wie keine Straßen. Die Menschen wohnten entlang der Flüsse. Der Yukon war die Wasserstraße in den Norden. Hatten die Goldsucher den Miles Canyon bei Whitehorse unbeschadet überstanden, wartete flussabwärts eine weitere gefährliche Passage auf die zukünftigen Prospektoren: die Five-Finger-Rapids. Zerklüftete, mit Bäumchen bewachsene Felsen teilen den Yukon auf wie die Finger einer Hand. Unberechenbare Stromschnellen machen vier der fünf Finger unpassierbar. Sie wurden vielen zum Verhängnis. Wer dort in den »falschen Finger« hineingeriet und kenterte, verlor im günstigsten Fall seine überlebenswichtige Ausrüstung, meist jedoch im eisigen Wasser das Leben.

Wir verwöhnten Touristen, die wir im komfortablen Wohnmobil unterwegs sind, stehen oben auf der Aussichtsplattform, fotografieren was das Zeug hält, und meckern, weil die Sonne nicht scheint. Die gäbe den Fotos von den rotbraunen Felsen, dem türkisen Fluss und dem dunkelgrünen Wald den letzten Touch. Macht sich doch blauer Himmel auf Fotos wesentlich besser als trübes Grau! Dabei müsste man innehalten und sich vorstellen, welche Strapazen und Risiken die Menschen damals auf sich genommen haben. Ganz sicher war auch Abenteuerlust dabei, aber meistens waren es pure Not und Perspektivlosigkeit, die Farmer, Angestellte, Arbeiter und brave Familienväter dazu trieb, ihr Glück im hohen Norden zu versuchen. Vermutlich wussten die wenigsten, was sie auf dem Weg zu den Goldfeldern erwartete ...


... High Desert, trockene Halbwüste, Stille - faszinierend fürs Auge, faszinierend für alle Sinne. Highways durch Einsamkeit und schroffe Wildnis mit dem Prädikat: Der Weg ist das Ziel! Hier sollte man sich Zeit nehmen, irgendwo im National Forest campen, das John Day Fossil Monument genauer erkunden. Aber wir haben ein Ziel, und das wollen wir erreichen, bevor uns der Schnee einen Strich durch die Rechnung macht. Der Crater Lake, hoch im Kaskadengebirge gelegen, steht schon seit unseren ersten PKW-Reisen durch die USA auf unserer Wunschliste. Aber damals waren unsere Urlaubswochen zu kurz, um so weit nach Norden zu kommen und auf unserer ersten großen Wohnmobilreise hätten wir Mitte Mai, nach einem extremen El Nino Winter, noch Schneeketten gebraucht, um dort hinaufzukommen. Jetzt haben wir bereits die zweite Septemberhälfte, und kaum dass wir das heiße, in Oregons Low Desert gelegene, Pendleton verlassen haben, wird es zunehmend kälter. Also ignorieren wir die Überreste vulkanischer Aktivität, die es links und rechts des Highways zu besichtigen gäbe und düsen und klettern mit unserem Small Motorhome II zielstrebig hinauf in die Cascades.

Wenn wir unsere Reisen vor unserem geistige Auge Revue passieren lassen, so gibt es einige Orte, bei deren erstem Anblick es uns schier die Sprache verschlug, oder man einfach nur noch »Wahnsinnsagen konnte. An erster Stelle steht dort auf jeden Fall der Grand Canyon, die Victoria Fälle in Zimbabwe gehören unbedingt dazu - und beim ersten Blick von der Rim Road nach unten auf den tintenblauen See nehmen wir auch den Crater Lake in diese persönliche Sprachlosigkeits-Skala mit auf.

Dass dieser faszinierende Anblick das Ergebnis eines Infernos ist, kann und will man sich angesichts der beeindruckenden Landschaft gar nicht vorstellen. Vor rund 7700 Jahren brach der Vulkan Mount Mazama aus und schleuderte in einer gewaltigen Eruption rund 150 Kubikkilometer Meter Gestein und Lava in die Luft. Als unmittelbare Folge des Ausbruchs brach der Dom des Vulkans ein und formte die Caldera, die sich kontinuierlich mit Regen- und Schmelzwasser füllte und so den Crater Lake bildete. Mit einer Tiefe von 350 bis 594 m ist er der zweittiefste See Nordamerikas. Die Wasserqualität des Sees, der weder Zu- noch Ablauf hat, ist angeblich die beste Nordamerikas. Die Sichttiefe beträgt mehr als 40 Meter. Es muss herrlich sein, in diesem See zu schwimmen! Normalerweise bin ich beim Anblick eines solchen Gewässers kaum zu bremsen aber es ist lausig kalt hier oben auf knapp 2000 m Höhe!

Auch wenn der erste Blick nach unten auf den tiefblauen See uns schier die Sprache verschlug der zweite Blick geht welch schlechte Touristenangewohnheit sofort durch die Fotolinse. Dieses Panorama müssen wir einfach mit nachhause nehmen damit wir später davon zehren können, und den Freunden und Verwandten müssen wir Briefe mit Bildern zumailen, damit sie sehen, was sie daheim hinter dem Ofen verpassen ...

... Sie leben seit jeher auf Tafelbergen, den so genannten Mesas, und ihr Reservat ist von allen Seiten umgeben vom Reservat der Navajos, die von jeher ihre Feinde waren. Dank eines ausgeklügelten Trockenanbaus gelang es den Hopis in der Vergangenheit, sich autark zu ernähren. Lange Jahre haben sie sich erfolgreich gegen die Segnungen der Zivilisation gewehrt. Inzwischen ist aber auch in Old Oraibi, von dem die Hopis behaupten, es wäre die älteste dauerhaft bewohnte Siedlung Amerikas, die Moderne in Form von Solarstrom eingekehrt. Sogar einen Supermarkt gibt es in Keams Canyon. Die traditionellen, mehrstöckigen Adobebauten, für die die Puebloindianer bekannt sind, haben wir auf den drei Mesas jedoch nicht gefunden.

Es ist Sonntag, als wir die Fahrt über die drei Mesas antreten. Vorher haben wir allerdings an einer Seitenstraße zum Dinnebito Damm übernachtet. Jedoch nicht, ohne vorher einen zufällig vorbeikommenden Indianer um Erlaubnis zu fragen. Außerdem sind wir mal wieder beständig aufwärtsgefahren. Hatten wir am Lake Powell noch Badewetter, so mussten wir hier wieder die ganze Nacht lang die Heizung durchlaufen lassen, und am Morgen blühen auf unserer großen Dachluke Eisblumen.

Im Kulturzentrum auf der Second Mesa führen Kinder traditionelle Tänze vor. Noch mehr als alle anderen Stämme, die ihre alten Riten und Tänze zum Teil mühsam wiederbeleben müssen, sind die Hopis nach wie vor in ihren altüberlieferten Traditionen verwurzelt, und geben diese gezielt an ihre Kinder weiter. Auch alte religiöse Riten werden noch immer gepflegt.

Im Kulturzentrum können wir auch die Kunsthandwerker bei der Herstellung ihres berühmten, aber leider sehr teuren Silberschmucks beobachten. Auch ihre Keramiken und die traditionellen Kachinapuppen gefallen uns. Gerne würden wir das eine oder andere Stück trotz der hohen Preise kaufen. Aber wir werden ja noch eine ganze Weile unterwegs sein und haben Bedenken, dass die hübsch bemalten, aber leider zerbrechlichen Gefäße, das Gerüttel im Staukasten nicht überleben könnten.

Auf der Suche nach Gold marschierte im Jahr 1540 Francisco de Coronado von Süden her ein. Er unterwarf und versklavte die Hopis. Sie wurden zwangsbekehrt, die uralten religiösen Riten verboten, die heiligen Kivas zugeschüttet. (Eine Kiva ist ein runder, meist halb- oder ganz unterirdischer Zeremonien- und Versammlungsraum der Pueblokulturen). Obwohl Hopis, wie die meisten Puebloindianer, ausgesprochen friedliebend waren und sind, verbündeten sie sich mit den anderen Pueblostämmen und beteiligten sich schließlich 1680 am großen Pueblo-Aufstand. Sie töteten alle Mönche und zerstörten die Missionsgebäude. Auch auf zukünftige Versuche der Spanier, neue Missionen zu errichten, reagierten die Hopis feindselig.


            

 
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